Ladendiebstahl entknasten!

Die rechtliche Sanktionierung von Kleinstdelikten, wie Betrug oder einfachem Diebstahl, gibt es nicht umsonst. Die Anzeige solcher Delikte selbst bei geringfügigem Schaden hat nicht zuletzt versicherungstechnische Gründe. Auf die Anzeige folgt das Verfahren – und das kostet eben. Bemisst man nun diese Kosten anhand des entstandenen Schadens, so kommt man auf 1,90 Euro Prozesskosten pro 1 Euro Schaden. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie von Dagmar Oberlies und Fredericke Leuschner von der FH Frankfurt, in der tausende Prozessakten der Staatsanwaltschaft Frankfurt ausgewertet wurden (hier ein Bericht aus der Frankfurter Rundschau). Mit Blick auf die sozialstrukturellen und geschlechterspezifischen Gesichtspunkte zeigt sich, dass kleinere Diebstähle meist von jüngeren Männern ohne Wohnsitz oder von älteren Frauen, die von Altersarmut betroffen sind, begangen werden. Kann der Schaden finanziell nicht wiedergutgemacht werden, droht die Ersatzfreiheitsstrafe. Kommt es soweit, dann belaufen sich die zusätzlich entstehenden Haftkosten im Durchschnitt sogar auf 3,60 Euro pro 1 Euro Schaden, wie die Studie zeigt.

Ein anderer Umgang mit solchen Delikten würde nun selbst keine größeren Anstrengungen kosten, scheitert jedoch am Zusammenwirken von Versicherungswesen und Justiz sowie an der Überzeugung, nur durch solche Sanktionsmittel den normativen Druck auf potentielle Täter aufrecht erhalten zu können. Außergerichtliche Lösungen wie der Täter-Opfer-Ausgleich (hier ein Artikel zum Thema von Dagmar Oberlies) stellt eine von vielen möglichen Umgangsweisen dar, durch die sich die Kosten des Strafverfahrens sowie die durch die Haft entstehenden sozialen Folgen drastisch reduzieren ließen.

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