Buchtipp: Wege durch den Knast

In der Assoziation A ist eine grundlegend überarbeitete Fassung eines wichtigen Buchs mit Tipps zum Gefängnisalltag erschienen: „Wege durch den Knast“. „Wege durch den Knast“ ist ein umfassendes Standardwerk für Betroffene, Angehörige und Interessierte. Es vermittelt tiefe Einblicke in die Unbill des Knastalltags, informiert über die Rechte von Inhaftierten und zeigt Möglichkeiten auf, wie diese auch durchgesetzt werden können.

Das Buch basiert auf einer Ausgabe aus den 1990er Jahren und wurde von Anwält*innen, Gefangenen, Ex-Gefangenen und Bewegungsaktivist*innen vollständig überarbeitet und aktualisiert. Diese außergewöhnliche Zusammenarbeit weist die Nähe zu den bedrückenden Fragen des Gefängnisaufenthalts aus und stellt das Buch in dieser Form als einzigartiges Werk heraus.

Sechs Wochen im Knast wegen Fahrens ohne Fahrschein – ein Bericht

„2013 haben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG, ehemals Berliner Verkehrs-AG) 480 Anzeigen wegen Schwarzfahrens gestellt. 2014 waren es dann 33.733. Für 2015 rechnet die BVG mit einer ähnlichen Zahl. Schwarzfahren, das „Erschleichen von Leistungen“, ist eine Straftat und nicht nur eine Ordnungswidrigkeit. Wenn jemand dreimal erwischt wird, gibt es eine Anzeige und damit auch ein Verfahren. Kann die Geldbuße nicht gezahlt werden, gibt es auch die Möglichkeit, das Ganze im Gefängnis abzusitzen. Das wiederum kostet den Steuerzahler 133 Euro am Tag. Bis zu einem Drittel der Insassen der Berliner JVA Plötzensee sitzt genau deswegen ein.“ Einem Autor des VICE-Magazins ist es ebenso ergangen, hier berichtet er von seiner Zeit im Knast.

Zeitschriftenschwerpunkt zum Thema ‚Gefängnis und Migration‘

Unter dem Titel ‚Das große Gefängnis. Geschichten von Harraga‘ befasst sich die Online-Zeitschrift transversal des european institute for progressive cultural policies (eipcp) in ihrer aktuellen Ausgabe mit dem Thema ‚Gefängnis und Migration‘. Neben Interviews mit und Texten von ehemals Inhaftierten, enthält die Ausgabe Beiträge des Schriftstellers Abdel Hafed Benotman sowie rechts- und gefängniskritische Texte von Angela Davis und Félix Guattari.

23 Tage Knast für 69 EUR Schulden

Weil er eine Strafe von 69 EUR nicht bezahlen konnte, soll ein wohnsitzloser Mann 23 Tage im Knast sitzen. Dann wird ihm die Freiheit geschenkt – aber nicht von der Justiz, welche der Absurdität der Ersatzfreiheitsstrafe eingesehen hätte, sondern von einem mitfühlenden Zeitungsleser, der ihn an der Gefängnispforte auslöst.

Früher nannte man das Schuldknechtschaft.

Kein Mindestlohn im Knast

Ab 2015 gilt in Deutschland ein gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 pro Stunde. Für Häftlinge gilt dieser Mindestlohn allerdings nicht: Zwar herrscht im Gefängnis Arbeitszwang, die meisten Gefangenen verdienen am Tag aber gerade mal knapp neun Euro. Zudem sind Gefangene weder kranken-, noch rentenversichert. Einen Artikel darüber gibt es im Hamburger Straßenmagazin Hinz&Kunzt, eine Analyse und Kritik von der Gefangenen-Gesellschaft JVA Tegel und einen Hintergrundtext über die Versuche einer gewerkschaftlichen Organisation im Knast auf Telepolis.