Gefängnis und Gesellschaft. Filmreihe im Filmmuseum Frankfurt

Wir laden ein zur Filmreihe „Gefängnis und Gesellschaft“ im Filmmuseum Frankfurt. Eine Kooperation von KNAS und dem Institut für Sozialforschung, Frankfurt.

 

Das Gefängnis gilt nicht nur als eine selbstverständliche Institution in der Gesellschaft, sondern es ist auch ein vertrauter filmischer Topos. Die filmische Faszination für das Leben hinter Mauern gilt dabei oft einem Gefängnisalltag, der den Eindruck einer isolierten sozialen Lebenswelt erweckt. In der Reihe „Gefängnis und Gesellschaft“ stellt das Kino des Deutschen Filmmuseums zusammen mit dem Frankfurter Institut für Sozialforschung und der Gefängnisinitiative Knas[] hingegen Perspektiven vor, die weniger das biografische Einzelschicksal im Gefängnis beleuchten, sondern jenen Spuren nachgehen, die das Gefängnis mit der Gesellschaft auf vielfältige Weise verbinden. Die ausgewählten Filme machen dabei nicht nur die komplexen Zusammenhänge, Wechselbeziehungen und Dynamiken sichtbar, die in strafrechtspolitischer, sozialer und ökonomischer Hinsicht diesseits und jenseits der Gefängnismauern bestehen. Sie geben Anlass zur Diskussion über die Normalität einer gesellschaftlichen Straf- und Sanktionspraxis, durch die nicht zuletzt soziale Ungleichheiten reproduziert und verstärkt werden.

 

Donnerstag, 4. Oktober 2018, 18 Uhr

DIE EROBERUNG DER INNEREN FREIHEIT.  SOKRATISCHE GESPRÄCHE UNTER GEFANGENEN

Deutschland 2010. R: Silvia Kaiser, Aleksandra Kumorek. Dokumentarfilm. 80 Min. 35mm

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Mittwoch, 10. Oktober 2018, 18 Uhr

THE PRISON IN TWELVE LANDSCAPES

Kanada/USA 2016. R: Brett Story. Dokumentarfilm. 90 Min. Digital. OF

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Mittwoch, 17. Oktober 2018, 18 Uhr

BEYOND PUNISHMENT

Deutschland 2015. R: Hubertus Siegert. Dokumentarfilm. 98 Min. DCP

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Mittwoch, 24. Oktober 2018, 18 Uhr

GANGSTER GIRLS

Österreich 2008: R: Tina Leisch. Dokumentarfilm. 79 Min. 35mm

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Samstag, 27. Oktober 2018, 18 Uhr

THE VISITORS

USA 2009. R: Melis Birder. Dokumentarfilm. 67 Min. DigiBeta. OF

 

Weitere Informationen zu den einzelnen Filmen finden sich auf der Internetseite des Filmmuseums: bitte hier klicken

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Prison sucks, Folge III

In loser Folge veröffentlichen wir hier Berichte zum Gefängnissystem in den USA. Obwohl das Ausmaß der Einsperrung und auch Geschichte und Funktion des Gefängnissystems in Amerika ganz andere sind als in Deutschland, lassen sich viele Argumente auf den deutschen Kontext übertragen.

The Atlantic beschreibt, warum die Gewalt in der Stadt durch Mass Incarceration zunimmt. Einer der wichigsten Gründe für die massenhafte Einsperrung ist Rassismus, der sich unter anderem in der so genannten school-to-prison-pipeline ausdrückt, von der vor allem Schwarze Jugendliche betroffen sind. Die Huffington Post weist darauf hin, dass es hier einen zunehmenden Zusammenhang mit suspensions gibt. Ebenfalls in der Huffington Post gibt es einen Artikel darüber, dass auch Gewerkschaften die Mass Incarceration ernst zu nehmen beginnen und es als ‚labor issue‘ begreifen (man fragt sich, wann die deutschen Gewerkschaften sich endlich einmal mit dem Gefängnissystem auseinandersetzen). The Atlantic hat nur noch Hoffnung in einen einzigen Menschen, dem Wahnsinn ein Ende zu setzen: US Präsident Barack Obama.

Jacobin Magazine setzt sich mit einem Argument auseinander, das häufig gegen die Entknastung verwendet wird: dass Gefängnisse gebraucht würden, um Frauen vor männlichen Gewalttätern zu schützen. Victoria Law argumentiert, dass gerade das Gefängissystem den am schwächsten gestellten Frauen in der Gesellschaft schadet. Die Washington Post plädiert dafür, Frauen grundsätzlich nicht mehr einzusperren, Jezebel greift den Vorschlag auf.

Zwei akademische Journale mit Schwerpunkten zur transnationalen Gefängniskritik

Zwei wichtige akademische Zeitschriften beschäftigen sich in ihren aktuellen Ausgaben mit transnationaler und intersektionaler Gefängniskritik (auf Englisch). Die South Atlantic Quarterly gibt einen Überblick über „Prison Realities“ auf der ganzen Welt; die Wagadu geht insbesondere auf die Situation von Frauen in Gefängnissen ein. Die Artikel aus beiden Zeitschriften sind leider nur für Menschen mit Zugang zu Universitätsbibliotheken verfügbar.