Flucht, Migration und das Gefängnis als gesellschaftstheoretische Metapher. Veranstaltung an der Universität Kassel

Zwei Veranstaltungen an der Universität Kassel befassen sich mit der Rolle des Gefängnisses im Kontext von Flucht und Migration. Ein Vortrag und ein Workshop von und mit Birgit Mennel (Wien) handelt vom Gefängnis als Ort der Einsperrung sowie gesellschaftlicher Metapher für die Verhinderung und Kriminalisierung bestimmter Lebensformen. Zum Thema ist unter dem Titel Das große Gefängnis (2015, herausgegeben von Birgit Mennel und Monnika Mokre) auch ein Buch erschienen, das hier eingesehen werden kann.

Das große Gefängnis oder: Die Kriminalisierung von Lebensformen

Vortrag von Birgit Mennel am Mittwoch, 10. Februar, 18-20 Uhr, Universität Kassel, Campus Center, Moritzstr. 18, Raum 1112.

 
Harraga – „Lieber durchbrennen als erniedrigt werden!“

Workshop mit Birgit Mennel (Wien) am Donnerstag, 11. Februar, 14-16 Uhr, Universität Kassel, Campus Center, Moritzstr. 18, Raum 1117.

 

Um vorherige Anmeldung wird gebeten. Kontakt und weitere Informationen finden sich hier.

Prison sucks, Folge III

In loser Folge veröffentlichen wir hier Berichte zum Gefängnissystem in den USA. Obwohl das Ausmaß der Einsperrung und auch Geschichte und Funktion des Gefängnissystems in Amerika ganz andere sind als in Deutschland, lassen sich viele Argumente auf den deutschen Kontext übertragen.

The Atlantic beschreibt, warum die Gewalt in der Stadt durch Mass Incarceration zunimmt. Einer der wichigsten Gründe für die massenhafte Einsperrung ist Rassismus, der sich unter anderem in der so genannten school-to-prison-pipeline ausdrückt, von der vor allem Schwarze Jugendliche betroffen sind. Die Huffington Post weist darauf hin, dass es hier einen zunehmenden Zusammenhang mit suspensions gibt. Ebenfalls in der Huffington Post gibt es einen Artikel darüber, dass auch Gewerkschaften die Mass Incarceration ernst zu nehmen beginnen und es als ‚labor issue‘ begreifen (man fragt sich, wann die deutschen Gewerkschaften sich endlich einmal mit dem Gefängnissystem auseinandersetzen). The Atlantic hat nur noch Hoffnung in einen einzigen Menschen, dem Wahnsinn ein Ende zu setzen: US Präsident Barack Obama.

Jacobin Magazine setzt sich mit einem Argument auseinander, das häufig gegen die Entknastung verwendet wird: dass Gefängnisse gebraucht würden, um Frauen vor männlichen Gewalttätern zu schützen. Victoria Law argumentiert, dass gerade das Gefängissystem den am schwächsten gestellten Frauen in der Gesellschaft schadet. Die Washington Post plädiert dafür, Frauen grundsätzlich nicht mehr einzusperren, Jezebel greift den Vorschlag auf.

Zeitschriftenschwerpunkt zum Thema ‚Gefängnis und Migration‘

Unter dem Titel ‚Das große Gefängnis. Geschichten von Harraga‘ befasst sich die Online-Zeitschrift transversal des european institute for progressive cultural policies (eipcp) in ihrer aktuellen Ausgabe mit dem Thema ‚Gefängnis und Migration‘. Neben Interviews mit und Texten von ehemals Inhaftierten, enthält die Ausgabe Beiträge des Schriftstellers Abdel Hafed Benotman sowie rechts- und gefängniskritische Texte von Angela Davis und Félix Guattari.

Prison Sucks, Folge II. Medienberichte zum Gefängnissystem in den USA

In unregelmäßigen Abständen veröffentlichen wir hier auch Medienberichte über das Gefängnissystem in Amerika.

Einen guten Überblick über die Situation bietet ein ca. 18-minütiger Clip des Comedian John Oliver, der u.a. mit Hilfe der Sesamstraße erklärt, wie fucked up alles ist.

Dafür gibt es auch jede Menge Belege, so schildert die New York Times die Zustände in einem Gefängnis in Mississipi: „Open fires sometimes burn unheeded in the solitary-confinement units of the East Mississippi Correctional Facility, a privately run state prison (…) Inmates spend months in near-total darkness. Illnesses go untreated. Dirt, feces and, occasionally, blood are caked on the walls of cells.“ Der New Yorker berichtet ähnlich Schlimmes von der Riverhead Penitentiary, bekannt aus der Serie ‚Orange is New Black‘. Wie sooft ist die Realität noch schlimmer als die Fiktion.

Der Zusammenhang von Armut und Gefängnisstrafe ist immer wieder auffällig. Hier der Bericht einer Frau, die im Gefängnis starb. Sie war inhaftiert worden, weil sie die Strafe dafür nicht bezahlen konnte, dass ihre Kinder die Schule verpassten. Die Privatisierung des Gefängnissystems in den USA führt ohnehin immer mehr dazu, dass auch sehr alte Insassen nicht entlassen werden, da jeder Häftling den Gefängnissen Geld bringt. Die Tagesschau bringt einen Beitrag zu Greisen hinter Gittern.

Und wie kommt irgendjemand überhaupt darauf, es wäre eine gute Idee, das Gefängnissystem zu privatisieren? Weil die Gefängnisindustrie sich Wissenschaftler kauft, die das in Gefälligkeitsgutachten bestätigen.